Trip ins "Reich der Mitte"

09April
2014

Good old Germany!

Nach kurzem Zwischenstopp in Dubai bin ich mittlerweile wieder gut in Deutschland gelandet. Einzig die Deutsche Bahn hatte wohl noch etwas gegen meine Rückkehr, hat mich nach mehreren Zwischenfällen aber doch noch nach Hause gebracht, wo ich von meiner Family und meiner Freundin herzlich empfangen wurde. Jetzt genieße ich erst mal die frische Luft, den guten Ausblick und die Ruhe. Und natürlich das deutsche Essen.

Bleibt noch eins zu sagen: Dankeschön für all eure tollen Kommentare und Mails!!! Und ein dickes Lob an die Blumis, die das Kommentieren erst salonfähig gemacht haben, sonst hätte sich vermutlich niemand getraut ;-).

01April
2014

Stationen 5-6: Shenzhen, Hongkong

Von Guilin ging die Reise weiter nach Shenzhen, wieder einmal im Schlafwagen. Diesmal aber nur für ca. 13 Stunden, was für mich mittlerweile ein Klacks ist. Shenzhen, eine Planstadt, die innerhalb weniger Jahre von einigen Tausend auf über zehn Millionen Einwohnern hochgezogen wurde und damit eine der am schnellsten wachsenden Metropolen der Welt gilt, grenzt direkt an Hongkong. Die Stadt ist super modern und sauber. Ein Bankengebäude ragt neben dem anderen in den Himmel und "normale" Einkaufs- bzw. Modegeschäfte sind nicht aufzufinden, weil es hierfür keine Käuferschicht gibt. Stattdessen findet man überall nur Louis Vuitton, Hermes, Gucci, Prada, Rolex, Chanel, Cartier, Burberry... um nur mal einige zu nennen. Und hiervon gefühlt jeweils eine Filiale pro Straße. Bei dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen des gesamten chinesischen Festlandes (also ohne Macao und Hongkong) kein Wunder. Auf dem nächsten Foto seht ihr die Grenze zwischen dem chinesischen Festland und Hongkong.

Das Wetter war zwar fast durchgehend regnerisch, aber trotzdem wollte ich den dortigen Strand aufsuchen, da er zu den schöneren in China zählt. Und bei ca. 25°C hat mich dann auch das Regenwetter nicht davon abhalten können, eine Runde im Pazifik zu schwimmen. Zum Abschluss gab es frisches Kokoswasser direkt aus der Kokosnuss.

Nach zwei letzten Nächten auf dem Festland Chinas wollte ich morgens mal schnell nach Hongkong ausreisen, was sich aber als ziemlich langwierig herausstellte. Erst kam der chinesische Zoll: Ausfüllen einer Ausreisebescheinigung plus Personenüberprüfung. Dann wurde ich und auch mein Gepäck durchleuchtet. Anschließend genau das Gleiche nochmal am Zoll Hongkongs: Ausfüllen einer Einreisebescheinigung plus Personenüberprüfung. Und natürlich nochmal durch die Röntgenanlage. Dieser Aufwand wird durchgeführt, weil Hongkong (neben Macau) eine Sonderverwaltungszone Chinas mit separatem politischem und wirtschaftlichem System darstellt, trotzdem aber ist es seit dem Jahre 1997 Teil der Volksrepublik China. Hongkong ist eine ehemalige britische Kolonie und hat heute über 7 Millionen Einwohnern, von denen der Großteil chinesischer Abstammung sind, es leben hier aber unter anderem auch sehr viele Philippiner, Indonesier, Thais, Inder, Australier, US-Amerikaner, Kanadier, Briten und Japaner. Bezahlt wird hier mit "Hongkong Dollar" und aufgrund der britischen Vergangenheit herrscht hier Linksverkehr.

Als ich die Grenze passiert hatte, fiel mir sehr deutlich auf, dass mich niemand mehr anstarrt, ich hatte nun also meinen VIP-Status wieder verloren. Mein Hostel war auf Hongkong Island, der Hauptinsel Hongkongs, sehr zentral inmitten der bekannten Skyline gelegen (nächstes Foto).

Nachdem ich einen heftigen Sturm mit höchster Alarmstufe, der sich auf den beiden obigen Bilder schon andeutete, überlebt hatte, besuchte ich tags darauf den Victoria Peak. Nach oben bevorzugte ich einen Fußmarsch, runter fuhr ich mit der Tram. Der Ausblick von oben auf die Skyline Hongkongs, die Meeresstraße und den Hafen ist einzigartig. Am Abend schaute ich mir von der gegenüberliegenden Seite der Meeresstraße das "Symphoniy of Lights" an, eine Licht- und Lasershow, die die Wolkenkratzer Hongkongs in Szene setzt. Der Nebel war allerdings sehr dicht, weswegen die Show nicht so toll rüberkam.

Und jetzt gehts weiter nach Dubai - für wenige Stunden ;-)

28März
2014

Stationen 2-4: Guilin, Yangshuo, Longji

Von Peking ging die Reise weiter in den Süden Chinas. Hierfür legte ich ca. 2900 km mit dem Zug zurück, was einer Fahrzeit von insgesamt 25 Stunden entsprach. In Guilin angekommen deponierte ich mein Gepäck im Hostel und machte mich gleich auf den Weg, den "Li River" und die Innenstadt zu erkunden. Leider war es, wie dort zu dieser Jahreszeit üblich, sehr neblig. In der Innenstadt gibt es zwei Seen, in einem dieser beiden stehen zwei Pagoden, die nachts hell beleuchtet sind: "Sun and Moon Tower".

Am Tag danach besuchte ich den "Elephant Trunk", eine Parkanlage mit einem Hügel, welcher in den Li River reicht und dadurch aussieht wie ein aus dem Fluss trinkender Elefant. Chinesen denken sich zu solchen Attraktionen auch stets ein paar Märchen aus, aber das erspare ich euch lieber. An dem Tag habe ich auch noch etwas richtig Witziges gesehen: Einen vor einem Auto stehenden Mann, der ein Kabel in der Hand hielt, das von unter dem Auto herkam. Das kam mir sehr komisch vor und bin etwas näher hin. Dann habe ich unter dem Auto den Kopf eines Arbeiters entdeckt, der gerade einen vom Auto verdeckten Schacht reinigte. Ich glaube aber, man muss das gesehen haben, um es witzig zu finden. Chinesen machen eben alles was man ihnen sagt.

Weiter gings nach Yangshuo, einen Teil der Strecke (von Yangdi nach Xingping) fuhr ich auf dem Li River mit einem "Bamboo Boat", das aber leider aus Kunststoff anstatt Bambus war. Die Szenerie mit den Karsthügeln entlang des Flusses war sehr beeindruckend. Wir schipperten auch an der Stelle vorbei, die auf dem 20-Yuan-Schein abgebildet ist.

Yangshuo ist eine kleine, von Touristen belebte Stadt, die auf den ersten Blick wenig zu bieten hat. Das Besondere dort ist die einzigartige Landschaft drumherum. Also habe ich mir ein Fahrrad gemietet, um die Gegend entlang des "Yulong Rivers" zu erkunden, ein Seitenarm des Li Rivers. Wie immer nahm die Anzahl der Touristen mit jedem Kilometer stetig ab, bis ich irgendwann wieder fast alleine war. Auf dem Rückweg ließ ich mich dazu verleiten, nochmals eine Bamboo-Fahrt zu machen, diesmal aber mit einem aus echtem Bambus und ohne Motor. Bilder beschreiben das Ganze wohl besser als Worte...

Ganz bekannt in dieser Gegend sind die Longji Reisterrassen in der Nähe von Longsheng, sie sind auch die eindrucksvollsten in ganz China. Für diesen Besuch habe ich mich einer organisierten Tour angeschlossen, da die Busfahrt und die vielen Buswechsel alleine zu unberechenbar gewesen wären. Nach vier Stunden Fahrt kamen wir dort an, leider war auch die sogenannte "Long Hair Show" Teil des Programms, eine Aufführung von Frauen der chinesischen Yao-Minderheit, die diese Region neben der Zhuang-Minderheit bewohnt (Zhuang in Ping'an, Yao in Dazhai). Die Frauen präsentierten, neben ihren Heiratsritualen, Gesängen und Werkzeugen, ihre Haare, welche sie ihr Leben lang wachsen lassen. Naja, jetzt habe ich das auch mal gesehen. Auf jeden Fall leben diese Minderheiten auf traditionelle Art und Weise, genauso ist es auch mit der Feldarbeit, von der sie hauptsächlich leben. Erwähnenswert ist noch, dass in der Yao-Gruppe die Frauen die Hosen anhaben (... das Sagen haben), obwohl sie rein äußerlich Röcke tragen.

Nach einer Stärkung mit "Bamboo Chicken" und "Bamboo Rice" (Huhn und Reis über dem Feuer in einem Bambus-Rohr gegrillt) sind wir auf die Reisterrassen bei dem Dörfchen Ping'an hochgestiegen. Dieser tolle Ausblick war für mich aber nur der Vorgeschmack für das, was noch kommen sollte. Denn danach habe ich mich aus der Gruppe ausgeklingt, weil ich über Nacht bleiben wollte, allerdings in einem anderen Dorf nahe Dazhai. Komischerweise wollte mich kein Bus nach Dazhai mitnehmen (solche Dinge werde ich hier niemals verstehen), obwohl sie dort hinfuhren. Also musste ich trampen, was auch ganz gut geklappt hat. In Dazhai endete die Straße. Nach Tiantou, wo mein Hostel war, ging es nur zu Fuß weiter. Nach ca. einer Stunde Wanderung die wunderschönen Reisterrassen hinauf kam ich dann am Hostel an. Belohnt wurde ich mit einem tollen Blick aus dem Hostel-Fenster.

Es war einfach gigantisch. Keine Straße weit und breit, keine Autos, kein Gehupe. Zum ersten Mal habe ich in China Ruhe erlebt. Am zweiten Tag unternahm ich eine Wanderung durch die Reisterrassen von Tiantou über das Dörfchen Zhongliu nach Ping'an. Insgesamt war ich vier Stunden unterwegs und bin während der ganzen Wanderung genau einem weiteren Tourist begegnet. Das hat mich sehr erstaunt, sind die Reisterrassen doch eine beliebte Touristenattraktion Chinas. Es liegt wohl einfach daran, dass sich fast alle mit den Bussen herkarren lassen, sich die Sicht von einem Punkt anschauen, und weiter gehts zur nächsten Attraktion. Begegnet bin ich aber unter anderem einigen in den Reisfeldern angebundenen Pferden, vielen frei laufenden Hunden (einer hat mich sehr lange begleitet und mir den Weg gezeigt), Hühnern, Katzen und einigen Ureinwohnern. Die Ureinwohner waren alle wahnsinnig freundlich, sie freuen sich über Ausländer und zeigen ihnen auch gerne den Weg. Ich bin vor ihren Augen auch direkt durch die Felder gestiegen, um Fotos zu machen, und keiner hat sich darum gekümmert. Auf jeden Fall ist die Gegend dort absolut idyllisch, ich habe es richtig genossen mal fern der großen Massenströme in China zu sein.

20März
2014

Station 1 meiner Abschlussreise: Beijing

Am 14. März hatte ich meinen letzten Praktikumstag. Für mich war es ein Tag mit gemischten Gefühlen. Einerseits war es traurig meine Kollegen verlassen zu müssen, die mich so herzlich aufgenommen haben und mit denen ich sehr gut zusammengearbeitet habe. Andererseits war dieser Tag der Startschuss für meine Abschlussreise und gleichzeitig kam ich dadurch auch dem Tag näher, an dem ich wieder zu Hause sein werde.
Am Samstag fuhr ich mit dem Schnellzug mit 300 km/h in das ca 1100 km entfernte Beijing ("Peking"), die Hauptstadt Chinas. Die Fahrt dauerte nur 5 Stunden und führte, man sollte es kaum glauben, fast ausschließlich durch grüne und braune, landwirtschaftlich genutzte Gegenden. Traktoren waren Fehlanzeige, die Felder werden alle von Hand bestellt. Zwei Dinge fielen mir in Peking sofort auf: Die Stadt und auch die Menschen in der Hauptstadt sind bei weitem nicht so modern geprägt wie es in Shanghai oder Suzhou der Fall ist. Und das riesige und dennoch völlig überfüllte U-Bahn-System, ich kam mir vor wie in einem unterirdischen Ameisenhaufen. Mein 5er Zimmer im Hostel war ganz OK, das Badezimmer aber ließ jegliche westliche Standards vermissen. Es war ein enger Raum mit Waschbecken und Toilette. Wollte man sich auf letztere setzen, klebte das Gesicht schon an der Wand, so eng war es. Und die Dusche? An der Wand hingen ein Boiler und eine Duschbrause, eine Duschwanne oder -kabine gab es leider nicht.

Folgende Ziele habe ich in Beijing besucht:

Tian'anmen Platz ("Platz des himmlischen Friedens") - Ein weltbekannter Platz im Zentrum Pekings, direkt vor der Verbotenen Stadt. Von dort rief Mao Zedong am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China aus. Er gilt als größter befestigter Platz der Welt.

Verbotene Stadt ("Kaiserpalast") - Dort lebten und regierten die chinesischen Kaiser auf einem großen, quadratischen Areal, das durch Mauern vom Rest der Stadt abgetrennt wurde. Erst 1924 wurde die Verbotene Stadt geöffnet und dem Rest der Bevölkerung zugänglich gemacht.

Jingshan Park - Direkt hinter der Verbotenen Stadt liegt der Jingshan Park, von dessen Hügeln man einen tollen Überblick über das riesige Areal der Verbotenen Stadt ergattern kann.

Chinesische Mauer - Sie erstreckt sich über etwa 21.200 km und ist das längste von Menschen geschaffene Bauwerk. Ich habe den Abschnitt bei Badaling besucht, welcher auch der meistbesuchte ist, und das zum Glück bei Sonnenschein und fast klarem Himmel. Da die meisten Besucher nach der Hälfte des Abschnitts kehrt machen, um dem steilsten Bereich zu entgehen, durfte ich diesen nahezu alleine erleben, was wirklich der Hammer war. Diesen konnte ich ausgiebig genießen, während ich im ersten Abschnitt eher mit "in die Kamera" lächeln beschäftigt war. Am Ende meiner Beijing-Reise muss ich sagen, dass für mich die Chinesische Mauer das absolute Highlight war!

Sommerpalast - Der Sommerpalast ist eine riesige Gartenanlage und zählt zu den größten Chinas. Bei starkem Gegenwind bin ich einmal um den großen See gelaufen, der sich inmitten der Anlage befindet.

Olympiapark - 2008 fanden in Beijing die Olympischen Sommerspiele statt. Die Hauptattraktionen im Olympiapark sind das Nationalstadion, wegen seiner Optik auch "Vogelnest" genannt, und das Schwimmzentrum. Bei Nacht erleuchtet das Nationalstadion in gelb und orange, das Schwimmzentrum in blau.

Temple of Heaven ("Himmelstempel") - Der Himmelstempel wurde 1420 errichtet. Dort beteten die Kaiser für reiche Ernten.

Essensmarkt bei Nacht - Eines durfte in Beijing nicht fehlen, der "Night Food Market". So ziemlich jeder Deutsche ist ja überzeugt, dass Chinesen aller Art Geziefer verschlingen. Mal kurz am Rande, ich habe noch keinen Chinesen ausfindig machen können, der jemals in seinem Leben schon mal Hundefleisch probiert hat. Zurück zu den kleineren Tieren - den Käfern, Würmern, Spinnen, Schlangen, Skorpionen... Diese werden zwar im Normalfall auch nicht von den Chinesen gegessen, auf dem Essensmarkt in Beijing kann man dies aber trotzdem tun. Und da jeder, der von sich behaupten will, China in vollem Umfang erlebt zu haben, zumindest einmal von dieser leckeren Speisekarte probiert haben sollte, tat ich dies natürlich auch. Mal schauen, ob ich Skorpione in Zukunft den Chips vorm Fernseher vorziehen werde. ;-)

10März
2014

"Hoher Besuch", wie Basti es formulierte.

Die spannende Frage für uns, die Eltern Gerda und Wilfried, lautete: "Was ist anders" ?

Pudong: ein riesiger Flughafen im Osten von Shanghai mit mehreren Terminals, die so weit auseinander liegen, dass man sie mit bloßem Auge gerade noch erkennen kann, mit zahlreichen Start- und Landebahnen dazwischen. Durch die englische Beschriftung finden wir den "Long Distance Bus" nach Suzhou gut. Allerdings müssen wir - für uns völlig ungewohnt - erst wieder einchecken, d.h. wieder Passkontrolle, dann Ticket, Sicherheitsschleuse, geschlossener Wartebereich. Wir fahren 1 Stunde auf einer bestens ausgebauten, 3-spurigen Autobahn ohne Stau nur durch Shanghai nach Westen. Die Autobahn ist in weiten Teilen auf Stelzen gebaut und schwingt sich bei Überführungen bis in die 4. Ebene hoch. Man hat zeitweise das Gefühl zu fliegen. Wer nun geglaubt hätte, langsam geht's dann raus aufs Land, der irrt sich gewaltig. Eine Hochhaussiedlung nach der anderen reiht sich beidseits der Autobahn zu einem geschlossenen Siedlungsband bis nach Suzhou, das wir nach einer weiteren guten Stunde sehr zügiger Autobahnfahrt erreichen. Über 20 Mio Einwohner in Shanghai und ca. 10 Mio bis nach Suzhou bilden einen der größten Verdichtungsräume dieser Erde. Einen kleinen Eindruck dazu vermittelt das nachfolgende repräsentative Foto aus Bastis Wohnung im 22. Stock.

Hier geht's immer um Masse. Egal ob wir über Wohnraumbedarf, Verkehrswege oder Abfall reden. Überall wird enorm gebaut und alles vollkommen neu gestaltet. So wird auch klar, warum in China jede Woche ein weiteres Kraftwerk ans Netz geht. Dabei beeindruckt es durchaus, mit welcher Stringenz z.B. auch Millionen von Bäumen und Sträuchern großflächig gepflanzt sowie Wasserflächen und Parks neu angelegt werden.

Unten ein kleiner Ausschnitt aus der neuen Skyline von Suzhou, einer Stadt, die durch viel Wasser und Kanäle geprägt ist und auch das "Venedig des Ostens" genannt wird. Allerdings belastet der Smog auch hier und macht das Foto etwas unscharf.

Hier das alte Suzhou mit seinen malerischen Kanälen, das man in der Innenstadt durchaus noch an zahlreichen Stellen sehen kann.

Oder ein typischer Innenhof. Hier wohnen die Menschen noch, sie arbeiten und versorgen sich und kommunizieren miteinander.

Den Verkehr in der Stadt bewältigt eine in die Jahre gekommene Busflotte, vor allem aber ist eine ganze Armada von leise surrenden Elektrorollern permanent und in alle Richtungen unterwegs. Die Fahrer haben meist keinen Helm auf und nachts sind die Fahrzeuge nicht beleuchtet. Als Fußgänger muss man ständig auf der Hut sein, zumal zwar Zebrastreifen vielfach vorhanden sind, aber sie werden weder von den Rollern noch von den Autos ernst genommen. Apropos Autos: es gibt bereits viele, darunter jede Menge Taxis oder massenhaft auch sündhaft teure SUV's, viele auch deutscher Provenienz. Ich frage mich, wo die Millionen zusätzlicher Autos noch fahren sollen, die auch die deutsche Autoindustrie in China noch verkaufen möchte.

Ein Verkehrsmittel muss ich noch erwähnen. Am bequemsten kommt man in Suzhou mit der nagelneuen U-Bahn voran. Alles sauber, gut erklärt, absolut pünktlich und konkurrenzlos günstig. Jede Station ist - wie im Übrigen auch jeder Wohnblock, jedes Einkaufscenter, etc. - eigens gesichert, d.h. überall stehen Polizisten und Security und man wird gelegentlich auch gecheckt. Big brother is watching you. Andererseits fühlt man sich aber auch überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten absolut sicher.

Beim Sonntagsausflug nach Hangzhou sehen wir auch vom sechsten Bus nur die Rücklichter, weil die Schlange vor uns so lang war, dass wir einige Geduld aufbringen mussten.

Hier nun der Übergang vom Verkehr zu den kulinarischen Genüssen.

Zunächst zum Frühstück. Backwaren gibt es hier normalerweise keine. Man isst, wie Basti regelmäßig, einen Pfannkuchen vom fliegenden Händler an der Straße oder es gibt im Regelfall Reis mit Gemüse. Ansonsten ist die chinesische Küche sehr vielfältig und gesund. Lediglich beim Fleisch sollte man gut hinschauen von welchem Lebewesen es stammt. Obwohl es überall ein reichhaltiges Nahrungsangebot gibt, sieht man keine dicken Menschen. Ich fürchte, dies wird sich aber bald ändern, denn die westliche Esskultur mit MC D. und Co ist bereits überall präsent.

Wir waren mehrfach ganz toll in einheimischen Lokalen essen. Hier zu viert mit 5 Gängen und Getränken für ca. 20 EUR. Basti, sein Arbeitskollege Frank sowie Gerda und Wilfried.

Hier seht ihr den "hohen Besuch" beim abendlichen Bummel durch die beleuchtete Innenstadt von Suzhou.

Abschließend noch ein Gesamteindruck bevor wir weiterreisen nach Shanghai, den Yangtse hinauf, nach Xian und zum Abschluss nach Peking. Ich kann sagen, wir sind sehr beeindruckt. Hier wird klar, warum China zwischenzeitlich die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ist. Allerdings werden auch hier nicht die Bäume unentwegt weiter in den Himmel wachsen. Ich denke dabei an die gewaltige soziale Spreizung in dieser Gesellschaft mit einigen sicherlich Reichen und sehr Reichen einerseits und dem riesigen Heer an einfach und einfachst Beschäftigten andererseits, wie den Straßenhändlern und Müllsammlern. Ich habe z.B. noch nirgends auf der Welt so viele Reinigungskräfte gesehen wie hier, die permanent Straßen, Wege, Plätze, Gebäude, etc. sauber halten. Dies ist zwar positiv zu werten, es zeigt aber auch ein weiteres Problem auf, nämlich die Masse an Menschen, die Arbeit brauchen. Dazu noch die deutlichen Umweltprobleme, allen voran der Smog, der die Regierung aber jetzt zu drastischen Produktionsbeschränkungen veranlasst hat oder die Unmengen an Müll, die unsortiert in die überall vorhanden Abfallbehälter gestopft werden. Es bleibt also noch vieles zu tun.

Schließlich noch ein Bild aus Hangzhou, der Teeregion Chinas.

01März
2014

Ein letztes Mal nach Shanghai

So, endlich komme ich mal wieder zum Blog-Schreiben. Die Endphase ist nun eingeläutet, "2 weeks to go in Suzhou". Rechtzeitig bevor ich diese schöne Stadt verlasse, habe ich nochmals meinen Schneider aufsuchen müssen. Dieses Mal habe ich einen Anzug in anthrazit bestellt und natürlich auch ein passendes Hemd dazu - Ätsch bätsch ;-). Jetzt sollte es auch wirklich genug sein. Spätestens wenn ich meine Koffer für den Rückflug packen werde, könnte mein Schneider-Wahn zum Problem werden. So langsam kommen mir nämlich die Sorgen auf, dass ich meine Gepäckskapazität schon lange überschritten habe und mache mir Gedanken, was ich in dem Fall als allererstes zurücklassen werde.

Und ein letztes Mal musste ich auch noch die Weltmetropole Shanghai besuchen. Vergangenen Samstag bin ich also zuerst mit dem Schnellzug nach Shanghai gefahren, das Wetter war prima und der Himmel strahlte in blau. Es war das erste Wochenende des Jahres mit Temperaturen bis zu 15 Grad, worauf ich schon lange gewartet hatte (Das ganze ist leider schon eine Woche her, im Moment wird das Wetter wieder von Rekord-Smog und Regen beherrscht). Nach einer Shopping-Tour auf dem Fake-Markt, was auch der Hauptgrund für den Shanghai-Trip war, bin ich über die Nanjing Road an den Bund gepilgert, welcher völlig überlaufen war. Nur mit viel Geduld konnte man sich einen Platz an vorderster Front mit Blick auf die Skyline von Pudong ergattern. Anschließend habe ich den Zug nach Kunshan genommen, was zwischen Shanghai und Suzhou liegt. Dort wohnt mein chinesicher Arbeitskollege, der mich immer zuverlässig mit Zugtickets versorgt. Ich hatte ihn gefragt, ob ich ihn besuchen könnte, worüber er sich sehr gefreut hat. An dieser Stelle muss ich kurz ausschweifen: Chinesen würden allgemein niemals einen Wunsch ausschlagen, einem Europäer schon gar nicht. Wenn ich dann in manchen Momenten schon ein schlechtes Gewissen bekomme, z.B. wenn mir mein Kollege immer Zugtickets bestellen muss, sagt er nur, dass es ihm Freude bereitet mir zu helfen. Die Deutschen könnten sich hiervon wirklich mal eine... ok, sagen wir mehrere Scheiben abschneiden! Auf jeden Fall hat sich mein Kollege wirkich über meinen Besuch gefreut, dieser Einschub ist mir nur gerade eingefallen. Wir haben dann zusammen mit seiner Familie Abend gegessen. Für mich war das wirklich interessant, weil ich erfahren durfte, wie eine normale Familie in China lebt - und zwar für gewöhnlich über drei Generationen auf sehr engem Raum. Seine Familie, bestehend aus Eltern, er, seine Frau und Kind, hat ein Mini-Bad, eine Mini-Küche, zwei Schlafzimmer und ein Allzweckzimmer, also quasi ein Ess- und Wohnzimmer in einem. Zum Vergleich, meine Wohnung, in der im Normalfall zwei Praktikanten unterkommen, ist ein gutes Stück größer. Zum Essen gab es richtig salzigen, aber guten Fisch, feine Entenstreifen, Schweinefleisch (eher Schweineknochen), Broccoli und noch weiteres Gemüse. Ich war sehr überrascht über das gute und reichhaltige Essen. Der Sohn meines Kollegen war richtig aufgedreht und wollte die ganze Zeit mit mir spielen. Er war sehr happy, was sich aber änderte, als ich ging, denn dann fing er an zu weinen. Ich habe mich dann ins Taxi Richtung Bahnhof gesetzt. Da ich wahnsinnig spät dran war, habe ich dem Taxifahrer zu Verstehen gegeben, dass ich es sehr eilig habe. Meine Nachricht kam an, und wie. Ganz wohl war mir dabei aber nicht, Verkehrsregeln galten überhaupt nicht mehr und ca. 30 Prozent der Fahrt hielten wir uns auf der Gegenspur auf. Just in time kam ich am Bahnhof an, direkt in den letzten Zug des Tages gestiegen und zurück nach Suzhou. Am darauffolgenden Sonntag habe ich noch den Sonnenuntergang am Jinji-Lake genossen.

Heute habe ich das Zugticket für meine Peking-Reise am Bahnhof gekauft. Vor den Ticketschaltern erwartet einen immer das gleiche Bild. Egal wie viele Schalter geöffnet haben, die Warteschlangen ziehen sich bis an das Ende der Halle. Wenigstens funktioniert hier das Anstehen, das ist nicht sehr oft in China zu beobachten. Anschließend bin ich noch die Pingjiang Road, eine der schönsten Straßen Suzhous, entlang spaziert.

Übrigens habe ich nun einen neuen Mitbewohner aus Deutschland, der nächste Woche sein Praktikum an der gleichen Firma beginnt. Und am nächsten Mittwoch werde ich weiteren Besuch aus Deutschland empfangen, dann habe ich hier volles Haus.

18Februar
2014

Auf dem Höhepunkt meiner Projektphase

Dreieinhalb Wochen Praktikum stehen jetzt nur noch vor mir, dann ist es auch schon wieder vorbei. Die Zeit vergeht wirklich wie im Schnellflug, und so langsam muss ich mir schon Gedanken über meinen Abschied machen. Doch zuvor werde ich einen neuen Mitbewohner und auch noch Besuch von zwei ganz bekannten Gesichtern aus Good Old Germany bekommen. Beim Praktikum habe ich jede Menge zu tun, in meinem Hauptprojekt, das sich insgesamt über fast zwei Jahre erstreckt und für die Firma von großer Bedeutung ist, befinden wir uns gerade auf dem Höhepunkt der Arbeit. Die vergangenen vier Monate war ich hierfür nur mit Organisation beschäftigt, doch nun steht die Fertigung von etlichen Teilen an, wofür auch ein Experte aus Europa zur Seite steht. Und da ich deshalb abends immer so müde und schreibfaul bin - ich komme ja erst um 18.15 Uhr in meiner Wohnung an - fällt der Blogeintrag heute etwas kürzer aus... :D

Noch ein Nachtrag zur Wanderung auf den Mount Hua Shan. Die ersten beiden Fotos zeigen die schönen Felswände bei unserem Aufstieg. Und das dritte Foto das, was ich leider verpasst habe: Den Sonnenuntergang vom Gipfel des Mount Hua Shan.

Am letzten Wochenende waren am Himmel viele leuchtende Flugkörper unterwegs. Das lag daran, dass in China das "Lantern Festival" gefeiert wurde. Das ganze hat mich an die Laternenumzüge in der Kindheit erinnert, nur dass die Laternen in Deutschland ganz brav durch die Straßen getragen werden, während Chinesen ihre roten Laternen in den Himmel aufsteigen lassen.

07Februar
2014

Xi'an - Terrakotta Armee, Mount Hua Shan und vieles mehr...

Die freien Tage nach dem Chinese New Year Festival habe ich in Xi'an verbracht, was ca. 1400 km nordwestlich von Suzhou liegt. Eigentlich war die Reise zusammen mit einem Freund geplant, der gerade im Süden Chinas ein Praktikum macht, er konnte aber kurzfristig doch nicht mit und somit musste ich leider alleine los. Um es vorwegzunehmen, die Reise hat sich mega gelohnt, diese Stadt und ihre Umgebung hat wirklich einiges zu bieten. Und mit dem Wetter hatte ich auch Glück, mit 15°C und Sonnenschein war es im sonst kalten Xi'an sogar einiges wärmer als in Suzhou.

Letzte Woche am Freitag Nachmittag setzte bzw. legte ich mich gemütlich in den Schlafwagen Richtung Xi'an. Ich hatte ja schon wirklich Ängste, dass dort alles überfüllt, dreckig und müffelig ist, aber ich war wirklich positiv überrascht. Bis auf die ziemlich lauten Fahrgeräusche und eine leicht dreckige Bettdecke war wirklich alles in Ordnung. Auch die "älteren" Chinesen um mich herum, die ihr Essen wie immer mit vollem Genuss, d.h. schmatzend und rülpsend, zu sich nahmen, waren einigermaßen ertragbar. Und ich konnte sogar ganze sechs von den insgesamt 19 Stunden Zugfahrt schlafen. Erwähnenswert sind die Essensgewohnheiten auf Reisen in China. Absolut jeder packt sich ein paar Portionen Instant-Nudel-Suppen ein: Die Packung öffnen, Gewürzmischung beigeben und mit heißem Wasser auffüllen, fertig. In China bekommt man nämlich überall heißes Wasser gratis, damit man sich Tee bzw. heutzutage auch Instant-Nudeln machen kann. In Xi'an angekommen habe ich mein Gepäck im Hostel abgelegt und bin gleich weiter zur Stadtmauer, welches die größte und einzig komplett erhaltene in China ist. Von einem China-erfahrenen Freund habe ich den Tipp bekommen, dass ich mir dort ein Fahrrad ausleihen sollte, was ich dann auch getan habe. In ca. eineinhalb Stunden fuhr ich einmal die 14 km lange, quadratförmige Mauer entlang. Auf dem Rückweg zum Hostel schaute ich noch am Bell Tower (4. Foto) und am Drum Tower vorbei. Mit den Glocken des Bell Towers wurde im 14. Jahrhundert das morgentliche Öffnen der Zugbrücken signalisiert, und mit den Trommeln des Drum Towers wiederum das Schließen am Abend.

Am Sonntag bin ich schon sehr früh aufgestanden, weil ich unbedingt auf den "Mount Hua Shan" wandern bzw. klettern wollte. Das ist einer der fünf heiligen Berge Chinas. Er ist bekannt für seine teilweise sehr steilen und zugleich malerischen Felswände. Passend dazu habe ich noch einen schönen Artikel gefunden:

http://www.travelbook.de/welt/Der-wohl-gefaehrlichste-Wanderweg-der-Welt-Wuerden-Sie-fuer-eine-Tasse-Tee-Ihr-Leben-riskieren-240360.html

Den im Artikel beschriebenen Aufstieg habe ich dann mal lieber nicht gewählt, schließlich wollte ich ja noch weitere Orte in China erkunden. Nach zwei Stunden Busfahrt kam ich am Fuß des Berges an, wo man sich ein Ticket holen muss. Dort habe ich einen Deutschen kennengelernt, der für 6 Monate in Shanghai wohnt und auch für ein paar Tage zu Besuch in Xi'an war. Es gab drei Gründe, warum ich unbedingt mit ihm zusammen auf den Berg klettern sollte: 1. Wir waren beide alleine unterwegs. 2. Wir hatten die gleiche Route geplant. 3. Sein Schwäbisch war mir zur Abwechslung sehr willkommen :D. Im Gegensatz zu den meisten Chinesen wollten wir den Gipfel zu Fuß erklimmen, wofür es von unserem Startpunkt zwei Wege gab. Der kürzere wäre ein Aufstieg über genau 3999 Treppenstufen. Wir bevorzugten den längeren Weg, der uns gegen Ende aber auch noch über genügend Treppenstufen führte. Während wir im Tal wegen der versmogten Sicht noch leicht skeptisch waren, waren wir umso mehr erfreut, als sich der blaue Himmel mit jedem Höhenmeter weiter durchsetzen konnte. Nach ca. dreieinhalb Stunden und einigen Fotoshoots, für die wir uns zur Verfügung stellen mussten, kamen wir auf dem 1600 m Hohen Nordgipfel (welcher zu unserer Überraschung sogar einmal auf Deutsch angeschrieben war) an, wo wir uns, wie soll es anders sein, mit einer Packung Instant-Nudel-Suppe gestärkt haben. Weiter ging es auf dem Berggrat entlang (Foto 6) und anschließend die steile "Himmelsleiter" nach oben. An dieser Stelle verabschiedete ich mich von meinem Wanderkollegen, der die Nacht auf dem Berg verbringen wollte, um den Sonnenunter- und aufgang zu sehen. Für mich gings wieder einen Teil zurück zum Nordgipfel, wo ich ca. eine Stunde für die Gondel anstehen musste und deswegen auch den regulären Bus zurück nach Xi'an verpasste. Aber ich sollte wohl nicht der einzige sein, und habe dann erfahren, von wo aus noch weitere, wenn auch teurere Busse, abfahren. Der Tag auf dem Mount Hua Shan war wirklich ein absolutes Highlight, die Sicht vom Gipfel auf die umliegenden Felsen, die im Gegensatz zu anderen Bergen richtig gleichmäßig und wie gemalt aussehen, war wirklich beeindruckend. Der größte Teil unseres Aufstiegs war für Normalsportliche gut zu bewältigen, aber gegen Ende waren schon einige nicht ungefährliche Abschnitte dabei, als die Stufen plötzlich nur noch handbreit waren und fast senkrecht nach oben gingen.

 

Am Tag darauf besuchte ich die Terrakotta Armee, das eigentliche Wahrzeichen Xi'ans. Die Tonkrieger wurden dem ersten Kaiser Chinas, Qin Shi Huangdi, im Jahr 210 v. Chr. mit in das Grab gegeben. Für das Leben nach dem Tod ist es natürlich von Vorteil, eine Schar von 7278 Soldaten zur Seite zu haben. Entdeckt wurden die Tonkrieger erst 1974, als chinesische Bauern einen Brunnen graben wollten. Die Grabanlage liegt 30 km östlich von Xi'an, deshalb lief ich zuerst an den Bahnhof, um von dort einen Bus zu nehmen. Ich habe mich zunächst köstlich amüsiert, als ich auf dem Bahnhofsvorplatz die längste (Menschen-) Schlange vorfand, die ich je gesehen habe. Dann ging ich weiter zu den Bussen, die zur Terrakotta Armee fahren, und musste leider entsetzt feststellen, dass sich diese Schlange für den selben Ausflug wie ich interessierte. Also wieder zurück an ca. 1500 Menschen vorbei und warten! Aber Hut ab vor chinesischer Organisation, alle 60 Sekunden traf ein neuer Bus ein, und so dauerte es auch nur eine Stunde, bis ich einen der begehrten Plätze ergattern konnte. Auf dem Grabgelände gibt es drei Gruben, Grube 1 (nächstes Foto) ist mit Abstand am größten und beinhaltet auch die meisten Figuren. Die Gruben 2 und 3 sind einiges kleiner, und dort wurden auch noch nicht sehr viele Krieger ausgegraben. Insgesamt sollen bis heute auch erst ca. 25 Prozent aller Figuren freigelegt sein. Das Erstaunlichste an den Figuren ist, dass sich wirklich jede durch individuelle Gesichtszüge von den anderen unterscheidet. Richtig nahe kommt man an die Figuren leider nicht hin, aber es war schon interessant, diesen imposanten Kriegeraufmarsch einmal zu sehen.

Zum Abendessen verabredete ich mich mit meinem deutschen Wanderkollegen vom Vortag und einem seiner Hostel-Zimmergenossen im sog. "Muslimen-Viertel". Die Straßen dort sind richtig überlaufen und es gibt Essen in Hülle und Fülle. Die nächsten Fotos zeigen eine kleine Auswahl: Suppe mit Lammfleisch, Brotwürfeln und Reisnudeln, ein traditionelles Gericht in Xi'an; frittierte Banane; Reiskuchen, der gelbe Bereich ist zuammengepresster Reis, das Dunkle in der Mitte sind Pflaumen; Wachteleier, angebraten und aufgespießt.

Am vierten und letzten Tag in Xi'an besuchte ich die sog. "Große Wildganspagode" (nächstes Foto) und das Areal außenherum. Passend zur "Großen" gibt es auch eine "Kleine Wildganspagode", die ich aber nicht mehr angeschaut habe. Vielmehr zog es mich nochmals zum "Muslimen-Viertel", um mich mit Nahrung für die Heimfahrt einzudecken. Abends um 18 Uhr begann dann der anstrengendste Teil meiner Reise, die zunächst zwölfstündige Nachtfahrt im Zug auf einem "Hard Seat" (Harter Sitzplatz), denn leider war beim Buchen keine andere Kategorie mehr zu haben. Und einen Direktzug gab es auch nicht mehr, also musste ich in Xuzhou umsteigen, wo es zu allem Überfluss auch noch geschneit hat und somit verdammt kalt war. Um 7 Uhr morgens kam ich dort an, um 14 Uhr ging mein Zug von Xuzhou nach Xuzhou Ost, und um 18 Uhr dann endlich von Xuzhou Ost zurück nach Suzhou, wo noch eine einstündige S-Bahn-Fahrt auf mich wartete. Nach insgesamt 38 Stunden ohne richtigen Schlaf freute ich mich dann wahnsinnig auf mein Bett.

29Januar
2014

Nichts Neues aus dem Osten!

Hi ihr daheim! Was gibts bei euch Neues? Bei mir nicht allzu viel, zur Zeit bin ich nicht mehr so viel touristisch auf Achse wie noch zu Beginn meines Aufenthalts, man könnte sagen: Ich bin voll im chinesischen Alltag angekommen. Die kommenden Wochen muss ich mich nun alleine durch China schlagen, mein Mitbewohner hat sich zurück nach Deutschland aufgemacht. Die nächsten Praktikanten folgen Ende Februar, somit habe ich die Freude sie noch kennenzulernen und sie dann bei ihren ersten Schritten in China zu unterstützen.

Vergangenes Wochenende war ich mit zwei deutschen Kollegen beim Abendessen, wir haben uns mal wieder Teppanyaki gegönnt. Schmeckt einfach immer wieder herrlich. Diesmal hatten wir als Nachtisch noch flambierte Bananen, wer das noch nie probiert hat, muss das unbedingt mal tun. In Deutschland habe ich das bereits öfters zusammen mit Vanilleeis gegessen.

Am Samstag habe ich meine Zugtickets für die nächste Reise (übermorgen gehts nach Xi'an) am Bahnhof abgeholt, welcher ca. 12 km von meiner Wohnung entfernt ist. Einen Teil der Strecke bin ich einfach mal zu Fuß gegangen, um noch andere Ecken Suzhous kennenzulernen und auch Zeit an der "frischen" Luft zu verbringen. Meinen Spaziergang könnte ihr anhand der folgenden Fotos nachverfolgen. Sehr spannend war zum Beispiel ein riesiger Tiermarkt, auf dem es übelst laut war (wegen dem Vogelgezwitscher) und es zudem wahnsinnig gestunken hat. Deshalb, und auch weil ich ein bißchen besorgt war, dass ich mir noch irgendwelche Krankheiten einfange, habe ich es vorgezogen, mich nicht allzu lange dort aufzuhalten. Dann habe ich am Bahnhof meine Tickets abgeholt und bin wieder zurück in die Innenstadt gelaufen und von dort aus mit der S-Bahn nach Hause.

Das Wochenende war dann für mich nach einem freien Tag schon wieder vorbei, am Sonntag musste ich wieder arbeiten. Da am chinesischen Neujahrsfest ganz China ca. eine Woche frei hat, müssen einige dieser Tage wieder "reingeholt" werden. Dies war bei mir vergangenen Sonntag der Fall, und auch der Samstag nach Chinese New Year, also nächste Woche, muss ich eine Samstags-Schicht einlegen.

Die Vorbereitungen auf das chinesische Neujahrsfest sind in vollem Gange, überall sind rote Banner mit Neujahrswünschen und rote Laternen zu sehen. Die Geschäfte wurden die letzten Tage ausgeplündert, um über die freien Tage über die Runden zu kommen, da die meisten Geschäfte für ein paar Tage schließen. Und während ich gerade meinen Blogeintrag schreibe, wird draußen rumd um die Uhr geböllert. Das Neujahrsfest hat in China eine große Bedeutung, man könnte es mit der unseres Weihnachtsfests vergleichen. Da viele Chinesen aufgrund der Arbeitsmöglichkeit in die Stadt gezogen sind, reisen sie in diesen Tagen zurück in die Heimat, um ihre Famile zu besuchen.

Die Sicht an einem Tag der trüberen Sorte: In China befinden sich die Ampeln immer jeweils gegenüber der Kreuzung, bei Smog ist davon allerdings leider gar nichts mehr zu erkennen :D

Nächste Woche - nach meinem Xi'an-Trip - werde ich euch unter anderem davon berichten, wie es sich anfühlt, 19!!! Stunden in einem Schlafwagen voller Chinesen und ohne separate Abteile zu verbringen. Na das kann lustig werden!

In diesem Sinne: Happy New Year!!!

17Januar
2014

"Annual Dinner"

Während sich alle Chinesen im Januar mit großer Vorfreude auf das chinesische Neujahrsfest vorbereiten, stand bei mir die letzten zwei Wochen nicht allzu viel auf dem Programm. Nach den freien Tagen zusammen mit Kerstin war es wieder Zeit zu arbeiten. Im Geschäft habe ich jede Menge zu tun, die Arbeit wird mir auf jeden Fall die nächsten Wochen nicht ausgehen, was aber auch gut ist, denn es macht Spaß und Langeweile kommt somit auch nicht auf. Das erste Foto zeigt unter anderem meinen Mitbewohner beim "Pfannenkuchen-Mann", unser morgentlicher Boxenstopp auf dem Weg zum Bus. Dort tanken wir uns täglich mit einem mit Spiegelei überbackenem Pfannenkuchen auf und weiter gehts zum Bus. Das zweite Foto zeigt meinen Mitbewohner beim Tischtennis-Training, von dem ich euch ja bereits erzählt habe.

Kommt euch der Baum auf dem nächsten Foto merkwürdig vor? Jeden Tag liefen wir daran vorbei und haben nichts gemerkt, wenn man mal genauer hinschaut sieht man, dass es gar kein echter ist. Der Baum hat ein Stahl-Fundament und die Hülle ist aus Kunststoff. Außerdem ist er kerzengerade und viel größer als die ihn umgebenden Bäume. In der Krone hängen einige elektrische Apparate, die Frage ist jetzt nur: Werden unsere Handys damit etwa abgehört, oder lediglich mit Funk versorgt??? Auf dem vierten Foto seht ihr ein junges chinesisches Paar, das sich gerade auf einer Brücke in der Altstadt ablichten lässt.

Letzte Woche am Freitag Abend fand das "Annual Dinner" unserer Firma statt, das ist in etwa die Weihnachtsfeier, welche in Deutschland zelebriert wird. Das "Annual Dinner" ist somit die Jahresabschlussfeier, nur dass sie hier in China an den alten Jahreskalender ausgerichtet ist, nach dem das neue Jahr Ende Januar bzw. Anfang Februar beginnt. Auf diesen Abend war ich schon sehr gespannt, denn im Vorfeld haben meine Arbeitskollegen schon Einiges darüber berichtet. Die Wochen zuvor fehlten auch immer wieder einige Kollegen in der Firma, da sie Proben für diesen Abend hatten. Und umso näher wir diesem Abend kamen, desto mehr Freude und Unruhe und auch Anspannung zugleich war zu spüren. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Chinesen freuten sich wie kleine Kinder!!! An diesem Freitag hatten wir dann schon früher Feierabend, um 15 Uhr wurden alle Firmenangestellte mit Bussen zum Hotel gefahren, wo die Feier in einem riesigen Saal stattfand. Insgesamt waren wir ca. 700 Personen. Es gab fünf Moderatoren, die zeitgleich auf der Bühne standen und durch das Programm führten, und zwar auf außerordentlich professionelle Art. Zum Programm zählten Begrüßungen, Ehrungen, Tänze, Gesänge und Spiele wie z.B. "Die Reise nach Jerusalem" oder "Der Hintermann verbindet sich die Augen und füttert seinen Vordermann mit einer Torte". Die Stimmung im Saal war ausgelassen. Der Höhepunkt aber war die Tombola. Jeder Mitarbeiter nahm mit seiner Mitarbeiternummer automatisch daran teil und per Zufallsgenerator auf dem Laptop wurde ausgelost. Verschiedene Manager oder Abteilungsleiter drückten die Stopp-Taste, und die Nummer eines Mitarbeiters erschien auf der Leinwand. Zuerst gab es kleine Preise wie Waschmittel, Tassen, Öl,... Der Wert der Preise wurde immer weiter gesteigert, bis es am Ende erst vier Fahrräder, dann zwei Tablet-PCs und als Hauptpreis ein Notebook zu gewinnen gab. Die Stimmung war echt der Hammer, ich fühlte mich wie im Irrenhaus. Als der letzte Programmpunkt fertig war und die Moderatoren die Bühne betraten, wurde es für uns Neulinge ganz kurios. Es war kurz nach 20 Uhr!!! In Erwartung eines geselligen Abends, an dem noch weiterhin beieinander gesessen, geredet, gegessen und getrunken wird, erhebten sich gefühlt 698 Menschen zum gleichen Zeitpunkt und verließen den Saal. Die Feier war wohl schon zu Ende :D

Auf jeden Fall war ich über diesen Abend sehr beeindruckt. Alle am Programm beteiligten Personen waren Mitarbeiter unserer Firma. Das Programm wurde im Voraus penibelst geplant und bis zur Perfektion geprobt, und letzten Endes richtig professionell über die Bühne gebracht - es hätte auch die Feier der chinesischen Regierung sein können, die ich am Fernseher anschaue, so gut war es gemacht.

Nun möchte ich mit euch noch eine kleine Tour durch China machen. Angefangen beim 100-Yuan-Schein, mit der "Großen Halle des Vokes" auf dessen Rückseite. Dieses Gebäude in Peking am Tian'anmen Platz nutzt die chinesische Regierung als Empfangsort für Staatsgäste und andere Feste. Die Rückseite des 50-Yuan-Scheins zeigt den "Potala-Palast", ehemaliger Sitz des Dalai Lama in der Stadt Lhasa. Einen Ort, den ich noch besuchen werde, ist die einzigartige Karstlandschaft nahe der Stadt Guilin, zu sehen auf dem 20-Yuan-Schein. Auf dem 10-Yuan-Schein ist die "Jangtse-Schlucht" des bekannten Flusses Jangtsekiang zu sehen, welcher bei Shanghai mündet. Er ist der drittlängste Fluss der Welt. Der 5-Yuan-Schein zeigt einen der fünf heiligen Berge Chinas, den "Taishan Mountain". Und auf dem 1-Yuan-Schein ist der "Westlake-See" der Stadt Hangzhou abgebildet, auf dem Karo und ich ja bereits eine Bootstour unternommen haben. Und auf den Vorderseiten aller Scheine hat sich der Herr Mao Zedong verewigt, Gründer der Volksrepublik China. Sodele, das wars mal wieder aus China.

Hier der Beweis, dass wir auch wirklich auf dem Westlake waren. ;)

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